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„27. Januar – Gegen das Vergessen“

Gottesdienst am Abend des 28. Januar in der St. Johannes-Kirche

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Das „Ensemble 1517“ hat sich dieses Themas angenommen und den Gottesdienst am Abend des 28.01.2018 in der St. Johannes-Kirche in Köln-Deutz mit Gedichten und Liedern aus den Konzentrationslagern ergreifend gestaltet.

Zahlreiche brennende Kerzen vor und im Altarraum. Vor den Altarstufen, auf einem Tisch mit weißem Tischtuch, ein schlichtes Kreuz. Daneben eine Menora – die sieben Kerzen des Leuchters angezündet. Das jüdische Symbol für das Licht, das von Gott geschaffen wurde, um Leben zu spenden und Erleuchtung zu bringen, steht für Zuversicht und Erkenntnis. Um den Fuß der Menora liegt kreisrund Stacheldraht.

Wofür die Komposition aus siebenarmigem Leuchter und Stacheldraht an diesem Abend steht, drängt sich den Gottesdienstbesucherinnen und –besuchern auf: Stacheldraht, Zäune, Mauern und Wachleute, die den Jüdinnen und Juden ein Entrinnen aus den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten unmöglich machte. Gefangen, gequält und leidend drückten manche Menschen ihre Gefühle und Gedanken aus, indem sie diese aufschrieben. So entstanden Texte und Gedichte, die bei der Befreiung verschiedener Konzentrationslager gefunden wurden und zentraler Bestandteil des Gottesdienstes waren.

Die liturgische Leitung hatte Beate Commer. Sie sprach auch die einführenden Worte zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Musikalisch wurde der Gottesdienst von Kantor Daniel Konrad eröffnet, der am Klavier die Titelmelodie des Spielfilms „Schindlers Liste“ mit den Melodien jüdischer Lieder verknüpfte. Es folgte eine scheinbar nicht enden wollende, zunehmend bedrückende Aufzählung von Konzentrations- und Vernichtungslagern, vorgetragen von Dr. Melanie Weitz und Uwe  Melchert, die nach der Aufzählung einfühlsam-eindrücklich die zuvor erwähnten Texte und Gedichte zu Gehör brachten und damit den oftmals namenlosen Verfasserinnen und Verfassern ihre Stimmen verliehen. Eine Zäsur erfolgte jeweils durch den Vortrag eines israelischen Liedes, a cappella gesungen von der Sopranistin Gerrit Pleuger, die wie Dr. Melanie Weitz und Uwe Melchert zum „Ensemble 1517“ gehört. Tief ergriffen von dem zum Teil kaum zu ertragenden Gehörten, lenkte das letzte Gedicht die Gefühle und Gedanken der Gottesdienstbesucherinnen und –besucher hin auf das Ende von Leid und Tod der Häftlinge in den Konzentrationslagern durch das Kriegsende im Mai 1945. Die Sehnsucht nach Frieden und Befreiung konnte endlich gestillt werden.

Am Ende des Gottesdienstes betete die Gemeinde auf Einladung von Beate Commer Hand in Hand das „Vater unser“, dem dann der Segen folgte. In diesem Gottesdienst waren die Christinnen und Christen in ihrer Erinnerung bei den Opfern der NS-Gewaltherrschaft, so wie das Kreuz neben der Menora auf dem Tisch.

Text: H.-G. Brüll

foto: bf

Das Kölner „Ensemble 1517“ setzt sich aus einer Gruppe von Schauspielern und Musikern zusammen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Theaterstücke und Rezitationsprogramme aufzuführen und den Zuschauern Theater nahe zu bringen. Besonderen Wert  legen sie auf ein Theater, das generations-übergreifend alle Altersschichten anspricht.

Kontakt: ensemble1517@gmx.de
Texte zusammengestellt:  Uwe Melchert
Vortragende Künstler: Dr. Melanie Weitz, Uwe Melchert
Gesang (Sopran): Gerrit Pleuger
Klavier: Daniel Konrad
Liturgie: Beate Commer